Meine Creme

[veröffentlicht in: Stadtstreicher 11/2005]

Zwei Chemnitzerinnen gründeten eine Salbenmanufaktur und nannten sie Beti.Lue – nach der Frau, die genau weiß, was eine Mischhaut braucht.

Was die alles wissen wollen: Geschlecht, Alter, Lieblingsduft, Hauttyp, Raucher oder nicht, Ekzem oder Falten… Ich meine, das geht doch niemanden was an. Aber was tut man nicht alles für die Schönheit.

Außerdem sitze ich ja ganz allein vor meinem Computer und den schönen Seiten der Chemnitzer Salbenmanufaktur. Ich bin also ehrlich und werde nicht enttäuscht. Denn die Creme, die mir am Ende empfohlen wird, enthält hochwertige Öle, die mich unter anderem mit Vitamin E versorgen, dazu ein wenig Sheabutter und Panthenol für die Selbstregeneration der Haut und sogar einen Grapefruitkernextrakt, wahrscheinlich für den Duft.

Kurzum: Die Mischung klingt ganz gut – und ich bestelle das Zeug. Sozusagen zum Selbstversuch für eben diesen Text. Und während ich mich noch immer frage, ob ich die Kosten für diese Recherche steuerlich geltend machen kann, bin ich von der Creme längst überzeugt. Das erzähle ich natürlich auch Dr. Bettina Lühmann und Silke Koppe, die das ehrgeizige Projekt zusammen angepackt haben. Und was soll ich sagen – die haben sich gefreut. Immerhin könnte es ja sein, dass sich meine Begeisterung für die Idee der beiden auf ein paar Leser überträgt. Und jeder neue Kunde ist für das Duo ein kleiner Schritt auf dem langen Weg zum Erfolg. „Wir geben uns zwei Jahre, dann müssen wir mit Beti.Lue-Produkten so viele Kunden beliefern, dass wir beide davon leben können“; sagt Silke Koppe, die für den Verkauf und das Marketing zuständig ist. Und die zu den ersten gehörte, die auf selbstgemachte Cremes und Öle von Bettina Lühmann schwörte. Die promovierte Chemikerin mit ihrem Wissen um all die Ingredienzen ist nämlich schon vor vielen Jahren durch ihre Oma animiert worden, eine Hautcreme nach dem alten Rezept der Urgroßmutter herzustellen. Seitdem beglückte sie nicht nur die Familie, sondern auch Freunde mit ihren frisch angerührten Salben.

Bis eben Silke Koppe in den Genuss kam – und beide zusammen auf die ausgefallene Geschäftsidee. Seitdem haben sie unermüdlich gerackert: ein Labor ausgebaut, ein Büro eingerichtet, Webseiten konzipiert, geheult und gelacht. Aber jetzt ist es so weit: Bettina Lühmann sitzt täglich mit ihren Plastikfüßlingen, dem weißen Kittel und dem nicht sehr kleidsamen Häubchen im Labor und tröpfelt natürliche Extrakte in ätherische Öle, verrührt reines Quellwasser und pflanzliche Emulgatoren.

Mal nach altem Rezept, mal in kreativer Laune. Was ihr aber nicht ins Haus kommt, sind Mineral- und Silikonöle, synthetische Duft- und Farbstoffe oder Zutaten, die aus toten Tieren gewonnen werden. Denn wenn schon extravagant, dann aber richtig. Nur nicht im Preis. Nicht dass die Cremes und Öle pure Schnäppchen wären, aber für ein Produkt, dass individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Kunden abgestimmt wird, ist das Entgelt durchaus moderat. Ich habe jedenfalls keinen Cent bereut. Allein schon, weil es so ein bisschen aristokratisch klingt, wenn man so nebenbei erzählt: Ich lasse meine Tagescreme individuell in einer Manufaktur fertigen.

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