Kliniskop 3/2011

Von: Uwe Rechtenbach

Die gute Haut nach der Krankheit

Ein eher unscheinbar anmutendes Gewächs sorgte in der 2004 gegründeten Chemnitzer Salbenmanufaktur für den Beginn eines Projektes, an dessen Ende mehrere kosmetische Artikel für die Hautpflege von Chemotherapie-PatientInnen standen. Den Anstoß hatte eine Kundin geliefert, die während ihrer Chemotherapie gezielt nach Ölen, Salben und anderen Produkten fragte, die unter Verwendung von Sanddorn hergestellt werden. Sie hatte gehört, dass Sanddorn viele positive Eigenschaften für Hautpflege und Immunsystem besitze und wollte diese nun an sich selbst testen.

Zuerst die Idee

Das brachte die beiden Manufakturgründerinnen Bettina Lühmann und Silke Koppe dazu, sich intensiv mit einer Pflanze und deren Wirkstoffen zu beschäftigen, die als Pflanzenart der Gattung der Sanddorne zugeordnet wird und zur Familie der Ölweidengewächse zählt. Die Beeren des Sanddorns verfügen über einen ungewöhnlich hohen Vitamin-C-Gehalt, und sie weisen kein Vitamin-C-abbauende Enzym Ascorbinsäureoxidase auf. Je nach Sorte variiert er von 100 bis 900 Milligramm pro 100 Gramm Beeren. Das Fruchtfleisch enthält zwischen einem und fünf Prozent Öl, das reich an mehrfach ungesättigten und auch essentiellen Fettsäuren ist. Insbesondere besitzt es einen hohen Anteil an Palmitoleinsäure, das die Hautfreundlichkeit des Sanddornfruchtfleischöls hervorhebt.

Haut ist nicht gleich Haut

Diese Ausgangsdaten veranlassten die Chemikerin Dr. Bettina Lühmann und die Marketingfachfrau Silke Koppe, sich in ihrer Manufaktur mit der Herstellung von Sanddornprodukten zu beschäftigen. Es begann eine lange Reihe von Experimenten und die Suche nach geeigneten Partnern, Zulieferern und Rezepturen. „Wir wollen Produkte herstellen, die auf natürlichen Ölen und Beigaben basieren“, sagt Bettina Lühmann. Um ihr Projekt weiter voranzutreiben, wurde das Manufaktur-Team 2005 um die Chemie-Diplomingenieurin Tanja Franz erweitert. Die unter dem Markennamen Beti Lue. im eigenen Labor hergestellten Produkte fanden zunehmend mehr Kundschaft, da die Manufaktur wegen ihrer Struktur leicht auf individuelle Besonderheiten und spezielle Wünsche reagieren konnte.

„Haut ist nicht gleich Haut, sondern sie ist so individuell wie jeder einzelne Mensch selbst. Und daher braucht sie auch eine individuelle Pflege, die es nicht von der Stange geben kann“, so Lühmann. Neben Fragen zur konventionellen Hautpflege bekam die Manufaktur im Laufe der Sanddorn-Produktentwicklung auch zunehmend Anfragen zu Pflegeprodukten für besonders angegriffene Haut, wie sie sich etwa bei Menschen findet, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen.

Ein traditionelles Mittel

Durch die in­ten­si­ve Be­schäf­ti­gung mit dem Thema Sand­dorn war es der Ma­nu­fak­tur mög­lich, mit fun­dier­tem Wis­sen und wei­ten Kennt­nis­sen auf­zu­war­ten. „Wir hat­ten re­cher­chiert, dass Sand­dorn etwa in Tibet, China, Russ­land oder der Mon­go­lei schon lange in der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Me­di­zin (TCM) ein­ge­setzt wird. Dort wuss­te man längst um die schmerz­stil­len­de, ent­zün­dungs­hem­men­de und wund­heil­för­dern­de Wir­kung des Sand­dorns“, so Koppe. Auch bei Ver­bren­nun­gen, Er­frie­run­gen und bei der Be­hand­lung von Ge­schwü­ren und Ge­fä­ß­lei­den sei Sand­dorn in die­sen Ge­gen­den ein tra­di­tio­nel­les Mit­tel.

Wohlgefühl und Erfolge

Die Sand­dorn-Pro­duk­te wer­den laut Koppe seit ei­ni­gen Jah­ren immer häu­fi­ger von Che­mo­the­ra­pie-Pa­ti­en­tin­nen zur Pfle­ge von Haut- und Schleim­haut­schä­di­gun­gen und Rei­zun­gen, die wäh­rend der The­ra­pie auf­tre­ten, ver­wen­det. „Wäh­rend der Che­mo­the­ra­pie kön­nen das Sand­dorn­öl und die Cremes dabei hel­fen, die Ne­ben­wir­kun­gen in Gren­zen zu hal­ten und zu mil­dern“, so Koppe. Die be­schrie­be­nen Er­fol­ge der Sand­dorn-Öle- und Pfle­ge­mit­tel führ­ten dazu, dass das Kli­ni­kum Chem­nitz eine An­wen­der­be­ob­ach­tung mit den Sand­dorn-Pfle­ge­pro­duk­ten von Beti Lue. durch­führ­te, die alle mit de­fi­nier­ten Sand­dorn­aus­gangs­stof­fen her­ge­stellt wur­den. Laut Lüh­mann kann sich das Er­geb­nis der An­wen­der­be­ob­ach­tung in einer kli­ni­schen Che­mo­the­ra­pie­stu­die bei Mam­ma­kar­zi­nom­pa­ti­en­tin­nen sehen las­sen: „Bei 87 % der teil­neh­men­den Pa­ti­en­tin­nen hat es die Hei­lungs­pro­zes­se der Haut und Schleim­häu­te nach­weis­lich ge­för­dert, die Ne­ben­wir­kun­gen der Che­mo­the­ra­pie konn­ten nach Auf­tre­ten und damit dem Be­ginn der An­wen­dung in Gren­zen ge­hal­ten oder sogar blei­bend auf­ge­ho­ben wer­den.

Die Kosmonauten geben die Idee

In Russ­land werde Sand­dorn an Kos­mo­nau­ten aus­ge­reicht, weil die Wirk­stof­fe nach Auf­fas­sung rus­si­scher Wis­sen­schaft­ler eine gute Wir­kung gegen Strah­len­schä­den der Haut zei­gen würde. Und im Welt­all ist die kos­mi­sche Strah­lung, die Ma­gnet­feld und At­mo­sphä­re der Erde zu einem er­heb­li­chen Teil ab­len­ken und ab­sor­bie­ren, ein wirk­li­ches Pro­blem für den Men­schen. „Und das war da­mals ein An­lass, Sand­dorn in einer Kos­me­tik­se­rie für Krebs­pa­ti­en­ten zu ver­wen­den“, er­in­nert sich Bet­ti­na Lüh­mann.

„Die Pro­duk­te auf der Basis von Sand­dorn­frucht­flei­sch­öl eig­nen sich auf­grund ihrer Zu­sam­men­set­zung gut für die Pfle­ge der Haut nach Be­strah­lung und Che­mo­the­ra­pie. Und die bei uns ge­mach­ten Er­fah­run­gen waren bis­her immer po­si­tiv. Es ist eine Pfle­ge, die man durch­füh­ren kann – weg von gro­ßen che­mi­schen Re­zep­tu­ren“, so Priv.-Doz. Dr. med. Nikos Fer­sis, Chef­arzt der Kli­nik für Frau­en­heil­kun­de und Ge­burts­hil­fe des Kli­ni­kums, in einer Re­por­ta­ge im mdr Sach­sen­spie­gel.
„Wir kön­nen damit viel­leicht etwas bei­tra­gen, dass die Wirk­sam­keit von Sand­dorn­pro­duk­ten wis­sen­schaft­lich wie­der­holt nach­ge­wie­sen wird und damit ir­gend­wann ein­mal der Ein­satz die­ser Mit­tel doch von den Kran­ken­kas­sen er­stat­tet wird“, hofft Silke Koppe.

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