Freie Presse 16.07.2005

[veröffentlicht in: Chemnitzer Freie Presse, Sonnabend, 16.7.2005]

Hier die Anleitung für die ganz persönliche Hautcreme aus Chemnitz: Man brauche einen Doktor in Chemie, ein neues, feines, weißes Labor, ein ausgewähltes Sortiment aus biologischen, chemiefreien Zutaten wie Basisölen und Duftnuancen, Emulgatoren und hautpflegende Wirkstoffe, eine große Menge Heimatverbundenheit sowie den Mut einer Frau, die ihren Beruf der Chemie mit ihrem Interesse für Natur verbinden will. Fertig ist die Creme auf natürlicher Basis und ganz ohne Tierversuche deshalb noch lange nicht, aber die Idee. Der Name dieser Frau ist Bettina Lühmann, daher auch der Produktname Beti Lue Salbenmanufaktur.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht, eine eigene Creme zu produzieren und zu verkaufen. „Den Fachnachweis erfülle ich, da ich Doktor der Chemie bin. Zusätzlich gibt es strenge EU-Richtlinien, die erfüllt werden wollen“, so Bettine Lühmann. Bevor das Konzept für die Selbständigkeit abgesegnet ist, alle Labortests bestätigt sind und das Marketingkonzept steht, wird der März 2005 ins Land ziehen. Bis dahin probiert Beti Lue täglich mit viel Geduld neue Düfte und Zusammensetzungen, denn die Cremes, die sie für junge Frauen oder Kinder, reifere Damen und als After-Shave-Balsam für Männer kreiert, sind vielfältig und ganz persönlich. Die jeweilige Salbe wird dem Hauttyp angepasst und Düfte wie Lavendel oder Rosmarin, Orange oder Rosen beigefügt.

„Wir wählen dabei aus 15 verschiedenen Duftnuancen. Dazu kommen auch Vitamine und hautpflegende Wirkstoffe“, so die 32-Jährige. Die klassisch-moderne Keramik-Cremedose wird in einer Behindertenwerkstatt in Annaberg-Buchholz gefertigt und auf Wunsch mit Name oder für Kinder mit bunten Zeichnungen verziert. Und weil die Produkte von Beti Lue kleine Kostbarkeiten sind, müssen auch sie gepflegt werden: Da wir ausschließlich getestete Grundstoffe auf ökologischer Basis verwenden, muss die Creme auch kühl stehen, weil sie ohne Konservierungsstoffe und chemische Zusätze schneller verdirbt. Dafür aber sind die bisherigen Testpersonen im Freundeskreis umso begeisterter.

Dem großen Druck, in Chemnitz eine eigene Existenz aufzubauen, wird mit viel guter Laune und Optimismus begegnet. „Mein Mann sagt immer, wenn ich aus dem Labor komme, dann sehe ich entspannt und glücklich aus“. In einem Atelier im ehemaligen Ikea-Haus an der Stollberger Straße finden regelmäßig Treffen mit Werbeleuten und Fotografen, Künstlern und Kreativen statt, die sich zum Freundeskreis von Beti Lue zählen. „Noch nie wollte jemand Geld. Alle sind begeistert und unterstützen mich. Soweit wir wissen, gibt es keine zweite Firma, die Öko-Salben in Sachsen herstellt“. Für Bettina Lühmann ist es allerdings wichtig, dass alles zu seiner Zeit passiert. „Deshalb lassen wir uns vom lockenden Weihnachtsgeschäft auch nicht stressen“.

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