Cremes, so individuell wie die Haut

[veröffentlicht in: TU Spektrum 01/2006]

Hochschulabsolventin Dr. Bettina Lühmann machte sich mit der „Beti Lue. Salbenmanufaktur“ selbstständig

(JM) Die TU-Absolventin Bettina Lühmann und Geschäftspartnerin Silke Koppe haben den Sprung in die Selbstständigkeit gemacht. Mit ihrer „Salbenmanufaktur“, in der sich Kunden auf ihren Hauttyp abgestimmte Cremes herstellen lassen können, beschreiten die Unternehmerinnen neue Wege in der Kosmetikbranche. „Eigentlich wollte ich immer weg von Chemnitz“, lacht die 33-jährige promovierte Chemikerin, „nun hat es mich doch hier gehalten“. Doch sie wirkt zufrieden und glücklich mit dem, was sie tut. Bettina Lühmanns Arbeit in ihrer Firma ist es, zu testen, welche Inhaltsstoffe miteinander harmonieren, speziell für jeden Hauttyp individuelle Rezepturen zu formulieren und die entsprechenden Sicherheitsbewertungen zu erstellen. Und natürlich, die vom Kunden gewählten Cremes und Öle nach eingegangener Bestellung herzustellen – ganz frisch, und wie in einer Manufaktur üblich, in Handarbeit.

Zwischen Musik und Reagenzglas

Die gebürtige Wurzenerin träumte zu Schulzeiten eigentlich immer von einer Karriere als Chorsängerin, doch die Eltern fanden das nicht so gut. So wählte Bettina Lühmann ihr zweites Lieblingsfach: die Chemie fest davon überzeugt, einmal als Chemikerin bei der Kriminalpolizei zu arbeiten. 1991 absolvierte sie eine dreijährige Chemiekantenausbildung mit Abiturabschluss. In der Zeit der deutschen Wiedervereinigung fiel es ihr nach dem Abschluss schwer, sich zu orientieren. Die neuen Möglichkeiten faszinierten sie. Und sie entschied sie sich für das Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. „Doch das war wirklich keine rationale Entscheidung“, schmunzelt die Chemikerin. Schon nach einem Jahr machte sie einen Rückzieher und widmete sich wieder der Chemie.

Ein guter Freund empfahl ihr damals das Studium an der TU Chemnitz. Die Uni sei überschaubar, studiert würde in kleinen Gruppen und die Betreuung wäre hervorragend. Mit diesen Argumenten überzeugte er die junge Frau. „Im ersten Studienjahr hatte ich durch meine Ausbildung einige Vorteile, denn ich wusste bereits, wie man im Labor arbeitet.“ Ihr studentisches Leben nach den Vorlesungen und Laborpraktika war sicherlich weniger berauschend als das manch anderer Studenten. „Für uns Chemiestudenten blieb nur wenig Zeit für ein ausgefülltes Freizeitleben, denn es war schon ein sehr anstrengendes Studium“, erzählt Bettina Lühmann. Um sieben Uhr in die Uni, um 18 Uhr Richtung Wohnheim und anschließend bis in die Nachtstunden Protokolle schreiben – das war die Regel. Und doch engagierte sie sich im Studentenrat. Zudem singt sie noch heute im Motettenchor der Chemnitzer Universität und spielt mit den Stura-Mitgliedern in einer Volleyball-Mannschaft.

Zwischen Liverpool und Chemnitz

In ihrer Studienzeit genoss Bettina Lühmann vor allem das Reisen und so kam ihr das Stipendium vom British Council sehr recht. Ein halbes Jahr verbrachte sie an der Universität in Liverpool. Als sie wieder zurückkehrte, begann sie mit ihrer Diplomarbeit und beendete ihr Studium im Frühjahr 1998. Danach sah die Lage etwas aussichtslos aus. Ihre Bewerbungen blieben ohne Erfolg, meist wurden promovierte Chemiker gesucht. „Das hat sich in den letzten Jahren aber zum Glück geändert. Heute haben auch Diplom-Chemiker auf dem Arbeitsmarkt gute Berufsaussichten“, betont Bettina Lühmann. Die Promotion war nicht der Traum der damals 26-Jährigen, dennoch hat sie im Fachbereich Anorganische Chemie bei Prof. Dr. Heinrich Lang ihren Doktor gemacht. Nach ihrer Promotion und der Assistentenstelle wollte sie jedoch weg von der Uni und unbedingt etwas Neues anpacken.

Anfang 2004 wurde schließlich die Idee der Salbenmanufaktur geboren. Freundin Silke Koppe hatte Geburtstag und bekam von Bettina Lühmann eine selbst hergestellte Creme mit ihrem Lieblingsduft geschenkt. Bereits während ihres Studiums hatte sie Freude am Herstellen solch individueller Rezepturen, nun konnte sie noch jemanden dafür begeistern. Doch ein Hobby sollte es nicht bleiben. Sowohl Bettina Lühmann, die sich damals in der Industrie bewarb, als auch Silke Koppe, ehemalige Pressesprecherin des Chemnitzer Kabaretts, waren mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden. Oft setzen sich die beiden Frauen nun zusammen an den Küchentisch und philosophierten bei einer Flasche Wein über eine mögliche Zukunft von „Beti Lue“. Dieser Name ziert nämlich seit einigen Monaten ihr Produkt. Beide Frauen wollten persönlich weiterkommen und etwas beginnen, was ihnen Spaß macht. „Ja und dann haben wir uns gesagt, machen wir halt Creme“, strahlt die Chemikerin. Rund ein Jahr hat die Firmengründung in Anspruch genommen, doch ihre Männer waren zuverlässige Berater. Die Cremes von „Beti Lue“ zeichnen sich vor allem darin aus, dass sämtliche Inhaltsstoffe auch in deutsch deklariert werden und nur Zutaten nach den Richtlinien der Naturkosmetik enthalten sind.

Der Vorteil für den Kunden: Allergiker und sensible Hauttypen können mitbestimmen, auf welche Inhaltsstoffe verzichtet und welche ätherischen Öle als Duftstoffe beigefügt werden sollen.

Zwischen Vision und Wirklichkeit

Den Schritt in die Selbstständigkeit empfand Bettina Lühmann weniger problematisch. „Man muss einen Plan haben und genau wissen, wo man hin will“, sagt sie heute. Die Selbstständigkeit bedeutet der promovierten Chemikerin sehr viel. Spaßig erklärt sie: „Ich habe in dem einen Jahr der Firmengründung mehr gelernt als in der Zeit des Studiums.“

In die Zukunft sieht der Zweifrauenbetrieb ganz optimistisch. Schließlich wollen Sie auch mal weitere Mitarbeiter in ihrer „Salbenmanufaktur“ beschäftigen.

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